Das Norddeutsche Druckmuseum im Hohen Arsenal Rendsburg
Das Museum will die Entwicklung des Druckgewerbes in den letzten zwei Jahrhunderten darstellen. Der Besucher soll einen Einblick in die Arbeitswelt des Grafischen Gewerbes, in den verschiedenen Techniken, in die Geschichte des Druckes, der betrieblichen Abläufe und der Menschen, die im Druckgewerbe tätig waren, erhalten. Das Museum will für nachfolgende Generationen bewahren, was sonst aufgrund der rasanten technischen Entwicklung unwiderruflich verlorengehen würde. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei der norddeutsche Raum.
In den beiden Hauptabteilungen des Museums "Druckformherstellung" und "Druckverfahren mit buchbinderischer Weiterverarbeitung" zeigen Maschinen und Geräte die entscheidenden Arbeitsgänge auf - auch in ihrer geschichtlichen Entwicklung. Die Stationen des Rundganges durch das Norddeutsche Druckmuseum sind gleichzeitig ein Rundgang durch die Produktion: vom Satz bis zum fertigen Erzeugnis. Exemplarisch sollen Situationen aus der Arbeits- und Berufswelt dargestellt werden.
Auch sonst bleibt dieses Museum "aktiv". Viele der hier gezeigten Objekte sind noch voll betriebsfähig. So will das Museum in mehrfacher Weise "aktiv" sein: Druckverfahren sollen durch Facharbeiter vorgestellt werden; Künstler die Gelegenheit bekommen, die vielfachen Möglichkeiten der Grafischen Kunst auszuschöpfen - und nicht zu letzt sollen Kinder und Jugendliche anhand eigener Erfahrungen in die Welt des Druckes eingeführt werden.
Der Museums-Rundgang beginnt beim Satz. Handsatzregale in sogenannten Setzergassen führen die erste Technik der Satzherstellung mit Einzelbuchstaben vor Augen, bis die große Nachfrage nach gedrucktem Material schnellere Verfahren erforderte. Es wurden Zeilengussmaschinen wie die Typograph, Lino- oder Intertype sowie auch Setz- und Gießmaschinen für Einzelbuchstabenherstellung wie etwa die Monotype entwickelt. Mit der Erfindung der Foto- bzw. Lichtsatzanlagen fand eine Revolution innerhalb der "Schwarzen Kunst" mit allen Begleiterscheinungen statt. Im Anschluss daran eröffnete die technische Weiterentwicklung ungeahnte Möglichkeiten: was heute aktuell ist, kann morgen schon überholt und museumsreif sein.
Nicht wegzudenken ist die Illustration und Bilderdrucktechnik aus dem Grafischen Gewerbe. Die künstlerische Aussagekraft des Holzschnittes oder des Kupferstiches ist bekannt, die Lithographie erweiterte die Möglichkeiten der Reproduktion. Die Erfindung der Fotografie und damit die Möglichkeit, Bilder durch Aufrasterung zu reproduzieren, legte die Grundlage für die Klischeeanfertigung bis zur mehrfarbigen Lithographieherstellung mittels Scannertechnik.
Von der Satz- und Bildherstellung bis zu einer Druckform erfährt der Besucher in anschaulicher Weise die unterschiedlichsten Verfahren sowie die buchbinderische Weiterverarbeitung der Druckerzeugnisse. Eine Fülle von Pressen illustrieren den Buch- und Flach- oder Tiefdruck.
Den Abschluss bildet die Verarbeitung und Veredelung der bedruckten Materialien in der Buchbinderei. Hier wird der Bucheinband in seiner Entwicklung als Handwerkskunst mit Vergolde- und Prägepressen bis zur maschinellen Fertigung mit Schneid-, Falz- und Drahtheftmaschinen gezeigt.
Dass die Darstellung der Schrift- und Papiergeschichte genauso zu einem Druckmuseum heutiger Zeit gehört wie eine Fachbibliothek, bedarf eigentlich keiner Erwähnung, aber gerade Bücher geben Auskunft über alle Gebiete des Grafischen Gewerbes sowie deren Nutzung und Auswertung.
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